Zum Tag der deutschen Einheit

PARTEI_25Jahre

Tag der Deutschen Einheit – Ein Trauertag

ein Kommentar von Atheist Steinbrenner
(bürgerlicher Name: Christian Steinle)

Gestern gerade noch dem Trubel in Berlin durch den Tag der Deutschen Einheit entkommen und nun weit jenseits jeglicher Festivitäten kommen mir Zweifel, ob es sich vor dem Hintergrund dessen was daraus wurde um einen Anlass zum Feiern handle.

Was ist 25 Jahre nach der Wiedervereinigung von der damaligen Euphorie geblieben?

Die personlintensive Überwachung Vieler durch die STASI, ist wie wir jetzt wissen auf technisch wesentlich höherem Niveau einer automatisierten Überwachung von Allen durch die eigenen und ausländische Geheimdienste gewichen.

Die in der DDR für die Frauenemanzipation wichtige frühkindliche Fremdbetreuung, die wir einst als nicht Kindesliebend missbilligten, ist nun auch hierzulande vorhanden. Dabei wäre dies nicht zu beanstanden, wenn in Ergänzung dazu ein ebenfalls emanzipatorischer Akt wie das Betreuungsgeld nicht umgehend wieder eingestellt worden wäre. Der Grund war nicht etwa, dass es zu niedrig sei und zwecks Gleichbehandlung aller Kinder in selber Höhe wie die Zuschüsse zur Fremdbetreuung gewährt werden müsste, sondern wenn es auch nicht so kommuniziert wurde, wohl um beide Elternteile baldmöglichst wieder dazu zu zwingen sich auf dem Arbeitsmarkt feil zu bieten.

Doch zu welchen Bedingungen? Mit dem Fall des Sozialismus als Gegenmodell fielen auch die Bemühungen den Kapitalismus im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft zu zügeln und ein für Alle erträgliches und Viele sogar gutes Leben zu ermöglichen. Stattdessen nahm seither die Zahl der prekären Lebenslagen zu, etwa durch die Ablöse der früheren Sozialhilfe durch Hartz IV, oder durch die massive Zunahme geringfügiger oder befristeter Beschäftigung. Dies nicht nur im unqualifizierten Bereich, sondern, mit Ausnahme weniger Inseln der Glückseligkeit, über das gesamte Spektrum an Qualifikationen hinweg zu beobachten.

Geblieben ist die Freiheit zum Konsum und zu Reisen — so man sich beides noch leisten kann — Karstadt bringt dies mit seiner Radiowerbung zum Tag der Deutschen Einheit, in welcher zur Melodie der deutschen Nationalhymne als Text eine lange Liste von Konsumobjekten gesungen wird, vermutlich unbeabsichtigt sehr gut zum Ausdruck.

Zusammenfassend steht der Mensch in Deutschland wieder mehr im Mittelpunkt – der Überwachung, der wirtschaftlichen Verwertung und der Freisetzung aus sozialer Sicherheit.

Ein wahrer Gewinn an Humanismus den es sich zu feiern lohnt, finden Sie nicht auch?